Eric Hegmann und Barbara Anna Hamm vor einem Hauseingang

Interview mit der Modern Love School

Eric Hegmann und Barbara Anna Hamm haben die Modern Love School gegründet, einen Ort an dem alle Menschen eine individuelle Antwort und einen Lösungsweg auf Liebesfragen finden kann . Wir haben mit den beiden über das Konzept und über die Leibe gesprochen.

Wie ist die Idee zur Modern Love School entstanden?

Barbara Anna Hamm: Schulen mit ihren klassischen Lehrplänen sollen eigentlich auf das Leben vorbereiten. Aber bei vielen wesentlichen Fragen des Alltags lassen sie die Antworten offen. Was brauche ich in einer Beziehung? Welcher Partner passt zu mir (und welcher nicht)? Wie gehe ich am besten mit Konflikten um? Mit der Modern Love School wollten wir einen Ort zu schaffen, an dem Menschen individuellenAntworten und Lösungswege finden können: Unterstützung bei der Suche nach einem Partner oder bei Beziehungen*. Hilfe bei Trennungen und bei Liebeskummer*. Wissenschaftlich fundierte Tests, welche Anteile unserer Beziehungspersönlichkeit mit denen unserer Partner besonders gut harmonieren und auf welche ein Paar den Blick lenken könnte, um eine langfristige und harmonische Beziehung zu führen. Mit der Modern Love School assoziieren wir weniger die traditionelle Schule mit Frontalunterricht (wer erinnert schon gerne daran). Wir denken dabei an sowas wie „Modern Lovers“, die neugierig und aufgeschlossen ihre Liebesfähigkeit weiterentwickeln und ihre Beziehungsmöglichkeiten ausschöpfen möchten.

Eric Hegmann: Um meinen KlientInnen und PatientInnen weiterführende Werkzeuge anbieten zu können, hatte ich auf meiner Webseite bereits einige Online-Kurse entwickelt. Um diese didaktisch und technologisch zu verbessern und auszubauen, haben wir uns für die Modern Love School zusammengetan: im Team als Pädagogin und Strategin sowie Paartherapeut und Autor denken wir über das heraus, was überwiegend als Online-Kurs angeboten wird. Wir wollen mehr Interaktivität und weniger Frontalunterricht, vielfältige therapeutische Werkzeuge unterschiedlicher Methoden und wissenschaftlich basierte Interventionen. Dafür verzichten wir auf typische Heilversprechen unseriöser Anbieter, wie „Sie garantiert einen Mann oder eine Frau für sich begeistern“ oder „Ihren Ex zurückbekommen.“

Was umfasst das Konzept der Modern Love School?

Barbara Anna Hamm: Uns ist es wichtig, Online-Kurse rund um die Liebe, Partnersuche, Partnerwahl und Partnerschaft* zu entwickeln, die auf fundierten Erkenntnissen beruhen. Wir nutzen nicht nur technische Innovationen (das Internet), sondern legen großen Wert darauf, unsere Hilfe-zur-Selbsthilfe-Programme gemeinsam mit ausgebildeten und erfahrenen PsychologInnen, SoziologInnen und TherapeutInnen zu konzipieren und zu entwickeln. Das Angebot soll herausfordern, dabei neue Sichtweisen ermöglichen und dazu anregen, mit den richtigen Fragen und in eigener Reflexion die für sich passenden Antworten zu finden.

Warum brauchen wir heute so etwas wie eine Liebes-Schule?

Barbara Anna Hamm: Wir führen heute mehr Beziehungen als unsere Eltern, Großeltern und Urgroßeltern zusammen. Wir erleben also auch viel mehr Enttäuschungen, Zurückweisungen und Trennungen. Diese Erfahrungen führen oft zu negativen Glaubenssätzen wie zum Beispiel „Ich bin nicht liebenswert“ oder „Ich bin nicht beziehungsfähig“. Diese schützen uns einerseits vor weiteren Verletzungen, verhindern manchmal aber auch neue emotionale Kontakte oder wahre Nähe. Der Umgang mit schmerzhaften Erlebnissen kann ebenso Partnerwahl und Partnersuche wie die Paar-Dynamik belasten.

Was ist die größte Herausforderung in Sachen Liebe?

Eric Hegmann: Nach meiner Erfahrung aus der Praxis sind es heute vor allem Überzeugungen, die zu Schutzstrategien wie Verlustangst oder Bindungsangst führen sowie überholte Mythen über Beziehungen, Umgang mit Liebeskummer oder Partnersuche. Ein Schwerpunkt meiner therapeutischen Arbeit ist das Bindungsverhalten und die teilweise traumatische erlebten Beziehungs- und Trennungserfahrungen, die Betroffene von neuer Liebe abhalten. „Ich kann nie wieder vertrauen“, ist eine solche Überzeugung. Oder auch: „Ich muss mir Liebe verdienen und mir noch mehr Mühe geben!“ Diese Glaubenssätze haben in schmerzhaften Erlebnissen ihren Ursprung und waren zunächst sinnvoll, um heilen zu können. Doch aus einer solchen Distanz muss es irgendwann auch wieder in die Nähe gehen, um Nähe, Sicherheit und Geborgenheit erreichen zu können. Barbara hatte es bereits angesprochen: die Masse an Begegnungen, Kurz-Beziehungen und Trennungserfahrungen beispielsweise durch Online-Kontakte, macht etwas mit uns. Wir leiden unter Ghosting, emotionaler Abhängigkeit* oder Vertrauensverlust.

Wie schaffen wir es, glückliche und stabile Beziehungen zu führen?

Eric Hegmann: Es gibt nicht den einen Rat, der für jede und jeden gilt. Aber universell scheint mir dieser zu sein: Freundlichkeit, zugewandte Kommunikation und emotionale Kontaktflächen führen zu einer sicher erlebten Bindung. jede Beziehung ist der täglich gelebte und immer wieder neu zu verhandelnde Widerspruch zwischen dem Bedürfnis nach Verschmelzung, nach Sicherheit und Geborgenheit auf der einen Seite und dem Wunsch nach Selbstbestimmung, nach Autonomie und Exploration auf der anderen. Ich bin überzeugt, viele Paare arbeiten sich vergeblich ab an vermeintlichen Sachthemen statt den emotionalen Auslösern auf den Grund zu gehen. Emotionale Themen können nicht auf der Sachebene gelöst werden und fast alle Paarkonflikte entstehen auf der Emotions- und Verbindungsebene.

Was meint der Begriff „Disneyfizierung der Liebe“?

Eric Hegmann: Damit meine ich die zunehmende Beeinflussung unserer Vorstellungen von Liebe durch Medien Filme, Serien oder Soziale Medien. Diese gescripteten Marketing-Bilder haben mit der Realität kaum bis nichts zu tun, werden aber durch ihre permanente Verfügbarkeit zum Vorbild und Wunschtraum. Die Folge sind Frust und Erfahrungen des Scheiterns. Den Begriff „Disneyfizierung der Liebe“ habe ich vor einigen Jahren geprägt und in einem TEDxTalk vorgestellt. Seitdem hat ihn auch die Forschung aufgegriffen und bestätigt. Die wissenschaftliche Abteilung von Elitepartner hat vor einigen Jahren mit einer repräsentativen Studie ausgemacht, dass mindestens jede:r Dritte sucht eine Beziehung wie im Film wünscht und die eigene Partnerschaft im Vergleich abwertet. Das ist eine Entwicklung, die mich besorgt.

Wie definierst du Liebe für dich?

Barbara Anna Hamm: Als etwas Universelles. Wenn Sterbende gefragt werden, was sie am meisten bedauern (z.B. Bronnie Ware, “The Top Five Regrets of Dying”), dann wünschen sie sich, den Mut gehabt zu haben, ihr eigenes Leben zu leben, weniger gearbeitet, oder den Kontakt zu Freunden mehr gepflegt zu haben. Es kommt im Leben darauf an, sich möglichst viele Glücks-Quellen zu erschließen, die romantische Liebe ist eine von vielen.

Eric Hegmann: Ich mag die Definition von John Bowlby: Liebe ist der sichere Hafen, von dem aus die Partner die Welt erkunden. ich habe das Glück, dies jeden Tag in meiner Ehe so seit fast 20 Jahren erleben zu dürfen.

Warum haben wir Angst vor tief gehender und ehrlicher Bindung?

Eric Hegmann: Nähe ist wundervoll, aber Nähe macht verletzlich. Schmerzhafte Verlusterfahrungen hingegen sorgen dafür, Nähe erst einmal als bedrohlich zu erleben. Verlustängstliche oder bindungsängstliche Strategien sollen neue Trennungserfahrungen verhindern, das entspricht unserem Lernprogramm und ist wichtig und gut. Das Vertrauen in sich selbst und andere wieder zu finden ist das Gegenmittel gegen diese Angst.

Was sind in der aktuellen Corona-Zeit die größten Herausforderungen für Paare?

Eric Hegmann: Die meisten Paare erleben die Nähe zum Partner oder Partnerin als hilfreich in einer solchen Lage und sagen auch in Studien, sie wären dankbar füreinander und erlebten Stabilität durch ihre Bindung. Wenn ein Paar etwas gemeinsam durchsteht, dann wächst es dadurch zusammen. Anders sieht es leider aus bei PartnerInnen, die bereits zuvor ihre Bindung als unsicher erlebt haben. Die reiben sich nun möglicherweise aneinander auf und müssen vielleicht nun ihre Paarkommunikation neu lernen. Es braucht fünf positive, zugewandte Beziehungserfahrungen, um ein schmerzhaftes und verletzendes Erleben ausgleichen zu können, hat der US Paarforscher und Mathematiker Prof. John Gottman ausgerechnet. Das ist im Stress zwischen Homeoffice, Homeschooling und Zukunftsangst natürlich nicht immer einfach.


Unsere Kurs-Tipps aus der Modern Love School:

„Warum sind Beziehungen so schwer? In 21 Schritten zu mehr Liebe„*



Paarkommunikation und Streitkultur verbessern“*



„Wie finde ich den richtigen Partner?“*


Über Barbara Anna Hamm:

Mit ihren Wurzeln in der Pädagogik und ihrer Leidenschaft für Didaktik ist Barbara Anna Hamm davon überzeugt, dass sich mit fundierten Methoden das Verständnis für eine erfolgreiche Partnersuche und ausgefüllte Partnerschaft erlernen lässt. Seit mehr als 25 Jahren prägt sie mit strategischer und digitaler Produktentwicklung die Vielseitigkeit der heutigen Medienlandschaft wie zum Beispiel als Chefredakteurin und Geschäftsführerin von stern.de oder als Director Business Strategy der Gruner + Jahr New Media Ventures. In der Modern Love School treibt sie als CEO die strategische Entwicklung zur digitalen Volkshochschule der Liebe mit einem stetig wachsenden Kursangebot und Persönlichkeitstests voran.

Über Eric Hegmann:

Eric Hegmann ist einer der bekanntesten Paarberater, Single- und Beziehungs-Coaches im deutschsprachigen Raum. Die Gefahren virtueller Traumwelten beobachtet und bewertet er seit beinahe 20 Jahren und warnt vor der „Disneyfizierung der Liebe“. Als Mitglied des Parship-Expertenteams und Autor zahlreicher Publikationen möchte Eric Hegmann Menschen als Gegenmittel zur wachsenden Bindungs- und Verlustangst wieder mehr Mut und Vertrauen ans Herz legen. Seit 2016 bietet er Online-Kurse für die Kommunikation in Partnerschaften sowie rund um Bindungsverhalten und Beziehungskonflikte an. Darüber hinaus beschäftigt er sich als Chefredakteur des Online-Magazins beziehungsweise-magazin.de mit der erfolgreichen Suche nach Liebe, die Verletzungen heilen kann. Als Chief Love Officer beobachtet Eric Hegmann die Bedürfnisse von Liebe Suchenden, Verliebten und Liebenden und unterstützt mit diesem Wissen die Kreation und inhaltliche Entwicklung der Kursangebote.

Titelbild @ Inga Sommer

Illustrationen @ Stephanie Wunderlich

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