Ein Portrait von Simone auf blauem Hintergrund. Daneben eine Quote aus dem Artikel.

Kolumne #embracethechaos: „All we need is less.“

Im Mai habe ich mir tausend Gedanken gemacht, zu viele alte Baustellen aufgerissen und gefühlt kam der ganze Corona-Stress auf einmal raus. Irgendwann fiel mir auf, dass ich nur noch gestresst durch die Gegend renne, gereizt reagiere und mir selbst im Weg stehe. Als selbst der Mann sagte, eine Auszeit würde mir gut tun, hörte ich innerlich die Yoga-Glocken klingen.

Alleine. Ohne Kind und Mann.

Nach einem Gespräch mit der Yoga-Lehrerin und dem Kampf mit meinem schlechten Mama-Gewissen entschied ich mich dazu, für eine Woche allein weg zu fahren. Ich wiederhole: Ich wollte eine Woche lang allein wegfahren. Ein Yoga-Training machen. Mir die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Bei mir angekommen und nicht 10.000 Dinge gleichzeitig tun. Ich konnte es selbst nicht fassen. Bis zum Tag des Abflugs habe ich damit gerechnet, dass sich das Blatt meiner Auszeit jederzeit wenden könnte. Vielleicht wird das Kind noch krank, Corona funkt dazwischen oder oder oder …

An einem Samstagmorgen stand ich dann tatsächlich allein am Flughafen. Das alleine da stehen, ohne Geschrei und Stress fühlte sich gut an. Dennoch versetze mir jedes Kind, das ich am Flughafen sah, einen Stich in die Herzgegend. Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich mein Kind eine Woche beim Vater lasse, der arbeiten muss, während ich bei einem Yoga-Training unter der spanischen Sonne entspanne? Nein, natürlich bin ich das nicht. Dass vier Mütter unter den Teilnehmern waren, machte es mir leichter. Die erste erzählte mir gleich, dass sie diese Auszeiten seit Geburt ihrer Kinder jedes Jahr nimmt und es ist ihre wichtigste Kraftquelle. Und natürlich sage ich meinen Yogaschülern, dass sie auf sich selbst achten sollen und das Selfcare immens wichtig ist – aber ja, wenn’s dann um einen selbst geht, sieht es manchmal anders aus.

Schlafen, essen, auftanken – Repeat

Im Flugzeug war ich war voller Vorfreude, einfach nur müde und auch etwas ängstlich. Als ich dann früher als alle anderen Teilnehmer auf der Finca ankam, wurde ich so warm empfangen, dass die erste große Last von mir abfiel. Ich ließ mich auf das weiche Bett sinken und machte das wovon alle Mamas träumen: Ich schlief einfach ein. Ich spürte, diese Zeit wird besonders, das ist ein Ort, an dem ich auftanken kann. Ich lernte in den folgenden Tagen nicht nur bezaubernde Menschen kennen, sondern auch viel über mich selbst. Ich wurde weich und es fühlte sich gut an. Ich weinte und es war reinigend. Ich weinte noch mehr und hatte das Gefühl es hört einfach nicht auf. Ich schrieb und es war heilsam. Ich fragte und ich wurde verstanden. Ich lernte meinen Körper und mich selbst nochmal auf eine ganz neue Art und Weise kennen.

„Wenn auf einmal alles von uns abfällt, werden wir weich und verletzlich und auch wenn wir Angst davor haben, diese Seite ist wunderschön“

Simone Lopez Sanchez

Mein ganzer Körper atmete auf, nach dieser verrückten Corona-Zeit. Fast war es, als wäre ich auf einem anderen Planeten gelandet, dabei war ich nur zwei Flugstunden von zuhause entfernt. Mir wurde klar: All we need is less. Gerne noch gutes Essen, Sonne, ein klarer Geist und ein offenes Herz – das war’s dann aber auch wirklich.

Jede Frau, jede Mama sollte sich mindestens einmal im Jahr, nur um sich selbst kümmern. Entspannen und auftanken, ganz ohne schlechtes Gewissen. Denn was im Flugzeug gilt, zählt auch fürs Leben: Zuerst die eigene Sauerstoffmaske aufsetzen, dann die anderen versorgen.

0 Kommentare zu “Kolumne #embracethechaos: „All we need is less.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.