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KOLUMNE #embracethechaos: Stress? Ja, kenn ich.

Ob ich Stress kenne? Ja. Ob ich einen guten Umgang damit habe? Njaein. Bei mir geht alles über den Körper und dementsprechend ziehen sich die Muskeln zusammen. Ich spüre, wie ich in einen Tunnel gerate und ja, ich schreie auch, wenn ich gestresst bin. Manchmal habe ich das Gefühl als Mutter zuzugeben, dass man vor lauter Stress auch mal schreit, ist heutzutage schlimmer, als ein schmutziges Sex-Geheimnis zu verraten. Damit möchte ich nix verharmlosen. Schreien ist kacke, aber die Kirche fühlt sich im Dorf auch ganz wohl.

Was stresst mich?

Aber von vorn. Was stresst mich? Zu wenig Zeit zu haben und zu viele Aufgaben an einem Tag, zu viele Termine und wenn zu viele Menschen gleichzeitig was von mir wollen. Mein unaufgeräumter Schreibtisch, dass die Putzfrau ausgewandert ist, dass das Kind noch keine Winterschuhe hat und das generelle Chaos in der Bude. Und ganz furchtbar: Manchmal stresst es mich, dass ich die Dinge nicht unter Kontrolle habe. Obwohl ich Kontrolle verabscheue. Der Klimawandel stresst mich, die Unterbezahlung von Frauen und die Ungerechtigkeiten, mit denen alleinerziehende Mütter zu kämpfen haben. Und nicht zu vergessen: Technik, die nicht will, wie ich will. Ich habe dazu übrigens erst am Montag mit einer Freundin besprochen, dass er erlaubt ist, bei ausfallender Technik die Nerven zu verlieren.

Ich erinnere eine Situation vor ungefähr acht Jahren. Ich saß auf dem Boden meiner neuen Düsseldorfer Wohnung. Ich war ein Stressbündel und verlor die Nerven, weil die Telekom es nicht schaffte meinen Internetzugang einzurichten. Ich war genervt, ich war verärgert und ich spürte Stress in jeder Pore. Irgendwann fing ich an zu weinen. Was mir half nicht mehr so gestresst zu sein? Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Yoga. Das war der Punkt, an dem meine eigene Praxis richtig Fahrt aufnahm.

Heute, acht Jahre später, hat sich einiges verändert. Aber, was mir im Zuge dieser Ausgabe nochmal bewusst wurde? Ich stress mich immer noch in Teilen selbst. Oder sagen wir es so: Ich selbst bin mein größter Endgegner. Und ich glaube, damit bin ich kein Einzelfall. Das ist schon viel besser als früher, aber mir fallen immer noch genug Dinge ein: „Ist das Kind heute warm genug angezogen?“, „Arbeite ich zu viel?“, „Arbeite ich zu wenig?“ „Haben sich meine Yogaschüler wohlgefühlt und war es eine gute Stunde?“ und wo wir hier schon mitten im Magazin sind: „Werden wir das Magazin so in der Art weiterführen können?“. Wenn ich alle diese Gedanken ziehen lasse, die oft mit Angst oder „Nicht-gut-genug-sein“ oder den Bedürfnissen anderer Menschen zu tun haben, fühlt es sich gleich viel leichter an.

Stöpsel ziehen

Am letzten Wochenende zog ich den Stöpsel und fuhr mit Mann und Kind nach Holland. Auch weil es in den letzten Monaten viel privaten Stress gab. Wie immer hatte ich Freitags noch mindestens sieben Todos auf der Liste und drei im Kopf. Die Sachen waren einen Stunde vor Abfahrt noch nicht gepackt, der Tank war leer und ich hatte noch nichts gegessen. Ich beobachtete mich selbst, wie es sich anfühlte, die Todos einfach liegen zu lassen. Ich beobachtete mich auch selbst, als ich feststellte, dass ich Kuscheltier, Unterhemd und Schal für das Kind vergessen hatte.

Auch in Holland am Strand kamen mir zwischendurch Ideen, aber ich ließ sie ziehen. Ich war sehr im Moment, habe wenig gegrübelt. Sonntagabends sitze ich oft noch am Rechner, am letzten Sonntag nicht. Ich ließ alles einmal sein. Auch mich. Das Kind (das trotz vergessener Sachen überlebt hat), den Mann, die Bude. Was soll ich sagen – es war herrlich entspannt. Es hat nicht einen Cent gekostet, es hat gut getan und ich werde es wieder tun.

Machste mit?

Eure Simone

Kategorien Kolumne

Simone ist Mama eines kleinen Jungen, leidenschaftliche Yoga- und Meditationslehrerin, Podcast-Gastgeberin, freie Autorin und PR-Beraterin und ihre große Liebe ist das Schreiben. Sie ist verantwortlich für alle Inhalte und Texte bei PersonalityMag.

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