Eva Kaczor über Atem und Emotionen

Eva Kaczor, was ist psychedelisch am Atem?*

Atem und Emotionen stehen in direktem Zusammenhang zueinander. Die Dipl. Psychologin, Coachin und Yogaexpertin Eva Kaczor aus Berlin hat die PSYCHEDELIC BREATH® Methode erschaffen und erzählt in diesem besonderen Interview und im Podcast warum der Atem so wichtig ist und wie er uns hilft, die eigenen Emotionen zu spüren und unsere Bestimmung zu finden.

Titelbild @ Marta Kowalski

Was genau verbirgt sich hinter PSYCHEDELIC BREATH® ?

Eva: PSYCHEDELIC BREATH® kombiniert dynamische Atemtechniken aus uralten spirituellen Traditionen mit Erkenntnissen aus der Neuro-Wissenschaft und Quantenphysik mit einem speziell dafür kreierten elektronischen Soundtrack. Dazu kooperieren ich und meine Lehrer mit elektronischen Musikkünstlern wie Acid Pauli.

PSYCHEDELIC BREATH® verändert Gehirnwellen in tief-meditative Zustände. Es wirkt mental und physiologisch entgiftend und unterstützt die Verarbeitung von Gefühlen. Auf energetischer Ebene werden Blockaden gelöst und viele Menschen berichten, dass sie sich mehr mit ihrer Intuition und inneren Guidance verbunden fühlen. Ich höre von meinen Schülern berührende Transformationen und wie sie beginnen, ihr Leben mehr nach ihrem Wesen und Purpose auszurichten.

Und, vielleicht das Schönste: psychedelic bedeutet aus dem Altgriechischen übersetzt: Die Seele offenbaren.

Wie und wann bist du das erste Mal mit Atemübungen in Berührung gekommen?

Eva: Ziemlich früh und auf eher ungewöhnliche Art: Mit 12 Jahren wurde eine Skoliose bei mir festgestellt und ich musste drei Jahre lang ein schmerzhaftes Korsett tragen. Nebenher habe ich eine bestimmte Krankengymnastik gemacht, mit der ich gelernt habe, meine Wirbelsäule über Atemtechniken in die andere Richtung zu drehen. Das habe ich dann vergessen, vielleicht weil es so schmerzhaft war, und eva-kaczor-psychedelic-breathbin dann in meiner Yoga-Ausbildung in NYC mit Anfang 30 über Pranayama erneut mit dem bewussten Atem in Berührung gekommen. 

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@ Tasya Menaker

Warum ist der Atem ein gutes Werkzeug auf der Suche nach der eigenen Bestimmung?

Purpose oder Bestimmung ist meiner Erfahrung nach nichts, was wir bewusst kreieren oder uns ausdenken können. Für mich liegt das Erkennen der eigenen Bestimmung in einer Erinnerung an das, was, wer und wie wir sind. 

Zurück in Gefühle wie Inspiration, Freude an dem, was wir tun und den Mut, unsere eigene Gaben zu teilen und damit den Schlüssel zu Purpose in der Hand zu halten, spielen dabei eine entscheidende Rolle. Während PSYCHEDELIC BREATH® verringern wir die Aktivität im Präfrontalen Cortex, wo unsere höheren kognitiven Funktionen sind, und generieren mehr Energie im Limbischen System, unser Gefühls- und Erinnerungszentrum.

Damit können wir den Zustand einer temporärem Hypofrontalität erreichen, das heißt, wir stellen die Stimme des inneren Kritiker leiser. Wir finden in eine kreative Flow-Alpha-Gehirnwelle und eventuell in einen Zustand, in dem wir Einsichten und tiefe Erkenntnisse in unser Leben erhalten.

Welche Rolle spielt Musik in deinen Sessions?

Eine sehr Große. Meine wichtigsten und ehrlichsten Einsichten, wie ich leben und teilen möchte, kamen sehr oft auf der Tanzfläche und durch elektronische Musik zu mir. Ich wollte das Gefühl des Losgelöstsein vom Überdenken und Zweifeln, das ich dort erleben durfte und darf, mit einer spirituellen Praxis verbinden, die es uns möglich macht, zu erkennen, wer wir sind. 

Der Rhythmus der elektronischen Beats inspiriert das dynamische Atmen auf die schönste Art und Weise. Bei größeren Events liebe ich es, mit DJs und Producern zusammenzuarbeiten und mit ihnen gemeinsam den Soundtrack zu performen. 

@ Nicolas Hess

Was sind die größten Fehler in Sachen Atem?

Unser Atem ist beides: bewusst und meistens unbewusst. Wenn wir bewusst atmen, sprechen wir von Breathwork, das heißt wir wenden bestimmte Atemtechniken an. Atmet unser Körper von alleine, nennen wir es unbewusstes Atmen. Eigentlich kann er das sehr gut, weswegen wir bei Kindern vor allem die Bauchatmung beobachten können. 

Wenn wir das Zwerchfell zum Atmen nutzen, kann es damit sehr gut seine Arbeit als größter Atemmuskel tun und den Austausch von Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid auf ideale Weise fördern. Außerdem aktiviert Bauchatmung den Vagusnerv und damit den Parasympathikus im Autonomen Nervensystem, was uns entspannt und präsent sein lässt. In meinen Ausbildungen sage ich immer: „Und dann kickt das Leben hinein.“

Wir beginnen zu schnell, zu flach und zu sehr von den oberen Lungenflügeln aus zu atmen. Das wiederum triggert den Sympathikus und wir fühlen uns gestresst und ängstlich. Das geht natürlich auch andersherum: wenn wir uns so fühlen, atmen wir im Sinne des „Overbreathings“.

Spätestens seit dem großartigen Buch „Breath – Atem: Neues Wissen über die vergessene Kunst des Atmens“ von James Nestor wissen wir zudem, wie schädlich die Atmung durch den Mund sein kann (leider). Sie kann unter anderem zu Gefäßverengung, hohem Blutdruck und Asthma führen.

Wie atmen wir so, dass es uns innerlich gut geht?

Es gibt eine ganz einfache Regel: Durch die Nase – in den Bauch – ziemlich langsam. Langsam heisst idealerweise 6 Sekunden ein und 6 Sekunden aus – das nennt man Kohärentes Atmen. Das können wir bewusst als Breathwork üben und damit dem Körper ein Signal geben, sodass es wieder möglich wird, auch unbewusst langsamer zu atmen. 

@ Tasya Menaker

Wie sieht deine tägliche Atempraxis aus?

Ich liebe es, drei Zyklen PSYCHEDELIC BREATH® mit einem guten elektronischen Track zu praktizieren, um meinen Körper physisch und energetisch aufzuwecken. Meistens merke ich dann schon, was mein Thema oder eine Frage ist, die ich an das Leben habe.

Dann praktiziere ich das Central Channel Breathing von Dr. Sue Morter, um in den Zustand der Meditation und in eine Alpha-Gehirnwelle zu kommen. 

Anschließend meditiere ich auf die Frage die zu mir kam, oder auf Loving Awareness und Kindness. Ich habe mit dieser Kombination gefühlt immer einen direkten Draht zu meiner Seele und ihrer Weisheit.

Wenn du nur eine Atemübung für dich auswählen könntest, welche wäre das und was sind ihre Benefits?

Jede Atemübung, die eine Alpha-Gehirnwelle auslösen kann. Und mich damit in einen entspannten, kreativen und verbundenen Zustand gleiten lässt. Das kann Box-Atmung sein (auf 6 Sekunden einatmen, den Atem 6 Sekunden halten, auf 6 Sekunden ausatmen und den Atem dann 6 Sekunden draußen halten) aber auch PSYCHEDELIC BREATH®. 

Wie ist der Zusammenhang zwischen Atem und Emotionen? Und wie kann der Atem unsere Gefühle beeinflussen?

Unser Atem beeinflusst unsere Gefühle und umgekehrt. Wenn wir zum Beispiel Angst spüren, wird der Atem flach und oft auch schneller. Wenn wir wütend sind, kann er stocken.

Diese Verbindung wird über das vegetative Nervensystem reguliert. Der Atem schafft uns einen Zugang zu unbewussten Schichten im Körper und zu unseren Emotionen. Und damit können wir umgekehrt auch erreichen, dass wir über Breathwork unserer Gefühle und das Nervensystem bewusst beeinflussen können.

@ Tasya Menaker

Was brauchen wir deiner Meinung nach für ein glückliches und zufriedenes Leben? 

Ich habe eine Purpose Formel entwickelt, nach der ich lebe und coache und von der ich glaube, dass sie Erfüllung schenkt. Sie heisst: Purpose = Remember who you are + Share this with the world + Be of service with it

Was übersetzt so etwas heisst wie: Alle unsere Herausforderungen im Leben kommen mit der Möglichkeit genau die Dinge und Erfahrungen zu heilen, die nach Heilung suchen. Und damit kommt die Erinnerung zurück, wer und wie wir sind. Wir wissen das als Kinder, aber das Leben zeigt uns, was es heißt, Glück und Zufriedenheit nicht von dem abhängig zu machen, was sich uns im Außen präsentiert. Da all das temporär ist. 

Wenn sich Herausforderungen zum Beispiel in der Liebe, im Finden der Berufung oder in Krankheiten immer wieder wiederholen, dann ist das die perfekte Spurensuche. Sie zeigen uns unsere Seelen- und Lebensthemen und dort liegt unser Purpose. Wenn wir dies erkennen und beginnen unsere Erfahrungen damit und auf unsere Art und Weise mit anderen zu teilen, dann entsteht Glück. 

Außerdem arbeite ich mit einem Energetischen Persönlichkeitsmodell, das uns herausfinden lässt, wie wir sind und was unsere Berufung auf Seelen- und Lebensebene ist.

Über Eva Kaczor:

Eva Kaczor ist Dipl. Psychologin, Purpose Coach, Yogaexpertin und als Gründerin von PSYCHEDELIC BREATH®, einer der weltweit bekanntesten Breathwork Lehrerinnen. Ihre beruflichen Stationen reichen von der Markenstrategie und Führungskräfteentwicklung bis zur Herausgabe eines Kunstmagazins bevor sie schließlich zur Expertin für spirituelles Wachstum und menschliches Potential
wurde. In ihren 1:1 Purpose Coachings, unterstützt Eva Menschen, ihre Berufung zu verstehen und zu leben. Dabei arbeitet sie mit einem energetischen Persönlichkeitsmodell und dem intuitiven Lesen des Seelenpotentials. Hier kannst du an PSYCHEDELIC BREATH®-Klassen mit Eva teilnehmen.

Titelbild @ Marta Kowalski

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