Kolumne #embracethechaos: Ich hatte Sex.

Diese Kolumne trägt den Namen „embracethechaos“ und ja manchmal muss man selbst lachen über die Titel, die man vergibt und die Dinge, die man sich ans Bein tackert. So geschehen diesen Monat. Chaos gab es in den letzten vier Wochen an allen Ecken und Enden, aber fangen wir zuerst mit dem gemütlichen Teil an, der auch ein bisschen mit Chaos zu tun hat: Gedankenchaos.

Ich hatte Sex. Das wäre jetzt nicht total erwähnenswert, weil wir den an der ein oder anderen Stelle hoffentlich alle irgendwie (Ergänzung für Mütter: irgendwann, irgendwo) haben. Ich hatte Sex im Traum. Hattest du vielleicht auch schon mal. Ich tue oft Dinge im Traum, von denen ich danach denke sie wirklich erledigt zu haben. Ich arbeite ganze Todo-Listen ab, nur um am nächsten Morgen festzustellen: shit, doch nix erledigt. So viel zu meinen Träumen, die führen mich ordentlich an der Nase rum.

Ihr seht ich rede bereits um den heißen Brei. Ich war also in diesem Traum unterwegs, ich war feiern. Hach, wie in alten Zeiten. Ich war jut drupp und war auf einem Konzert. Unterwegs war ich mit einem schlacksigen, großgewachsenen blonden Mann mit Strubbelkopf, der meist enge schwarze Hosen trägt, viel Gutes tut und sagt, aber so gar nicht mein Typ ist. Ok, raus damit: Campino. Ja, der von den Toten Hosen. Total irre. Als ich wach wurde, war ich leicht verwirrt und musste erst mal checken, ob mein richtiger Mann noch da ist. Ich war wirklich etwas verwirrt. Und dann war ich entrüstet: Da habe ich einmal Sex im Traum mit einem fremden Mann und dann das? Campino? Seriously? Ja, ich habe ein Faible für Männer, die Musik machen und mag es auch, wenn die ein bisschen rotzig und rockig sind. Aber Campino? Ich versuchte den halben Tag herauszufinden, warum gerade Campino. Weder hatte ich die Hosen im Radio gehört, noch eine Doku gesehen. Nix.

Ich hätte mir Brandon Boyd gewünscht. Ich bin der größte Brandon Boyd-Verehrer auf diesem Planeten. Das ist der Lead-Sänger von Incubus. Ich habe mal geträumt, dass ich die Yogalehrerin der Band wäre, es gab immer leckeres Essen und wir hatten viel Spaß. Aber kein Techtelmechtel und schon gar keinen Sex. Was soll mir das jetzt sagen? Bin ich etwa nicht gut genug? Unbedingt googlen und auf Instagram stalken, also den Brandon. Scheint ja nicht meine träumerische Kragenweite zu sein, wäre also für euch frei.

Nun gut, nachdem mir also klar wurde, dass ich a) weder Sex hatte, b) Brandon Boyd leider nicht da war und c) mein (natürlich von mir heiß geliebter) Mann noch da war und mich verschlafen anschaute, kam ich wieder an – in der Realität. Bitte schickt mir keine Analysen, was das zu bedeuten hat oder bedeuten könnte. Wir stehen da drüber.

Mit diesem verwirrten Kopf startete ich in eine neue Woche und der Mann verzog sich den Rücken. Eine falsche Bewegung, zack, schief. Er konnte nicht laufen, sich nicht bücken, nicht sitzen, nichts. Hatte der auch Traum-Sex gehabt? Vielleicht mit einer Turnerin? Egal. Er hatte auf jeden Fall übelste Schmerzen und ich alle Hände voll zu tun. Das Kind wollte mittags nicht in der Kita schlafen und ich musste es dauernd abholen. Wenn ich das nicht tat, war es nachmittags so gut drauf, dass ich mit Blick zum Himmel schwor, kein zweites, lieber Gott, kein zweites, ein Hund tut’s vielleicht auch. Als wir zum Spielplatz fuhren, schlief er mir im Lastenrad ein und fiel auf der Fahrt wie ein kleines steifes Brett nach vorn.

Ich raste zwischen allen Verpflichtungen hin und her, führte Telefonate für neue Jobs, machte den Einkauf, die Wäsche, die Orga, schrieb an meinen Texten, unterrichte, gab Workshops und in dieser Woche dachte ich mir: #fuckthechaos. Es war so viel, so voll, dass ich teils nicht wusste, wo mir der Kopf steht. Da ich aber Yogalehrerin bin und fleißig praktiziere, bin ich ruhig geblieben und habe durch die Nase ein und aus geatmet. Entschuldigt die Wortwahl, einen „Scheiß“ habe ich. Ehrlichkeit ist wichtig, und sorry, Yoga kann einfach nicht alles. Vor dieser Woche konnte mich kein Yoga schützen und da gingen auch mal die Pferde mit mir durch. Ich habe es aber irgendwie geschafft doch alle Bälle oben zu halten und Dinge eingebaut, auf die ich richtig Lust hatte, die mich beflügelt haben. Zum Beispiel hatte ich ein Gespräch mit einer tollen Person, die mir ein neues Thema näher gebracht hat und ich habe das Schreiben als Ventil genutzt.

That’s it – nächsten Monat dann wieder „embracethechaos“!

Titelbild © Jan Zhukov via Unsplash

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