Was ist eigentlich Baby-Shiatsu?

Was brauchen neugeborene Babys? Wie helfen wir ihnen auf dieser Welt anzukommen und ggf. nach einer nicht einer schwierigen Geburt zu heilen? Berührungen sind eine Art Schlüssel für jede Form der Heilung, sie sind wichtig für die körperliche, seelische und geistige Entwicklung von Kindern. Mit Baby-Shiatsu, einer Körperarbeit, die ursprünglich aus Japan kommt, wird ein Kind im wahrsten Sinne des Wortes besonders berührt.

Babys mögen es berührt zu werden. Das wissen die meisten von uns. Was die meisten aber vielleicht nicht wissen: Babys mögen es gedrückt zu werden. Ja, richtig gelesen, statt zu streicheln, bewirkt ein sanfter Druck an verschiedenen Stellen des Körpers Wunder. Das liegt daran, dass der klar bestimmte Druck dem Baby ermöglicht, seine eigenen Grenzen zu spüren und sich im eigenen Körper zuhause zu fühlen. Ganz wie in Mamas Bauch, der ja auch begrenzt war.

Während man mit der klassischen Babymassage frühestens ab der vierten Lebenswoche beginnt, kann ein Baby bereits ab dem ersten Tag mit Shiatsu versorgt werden. Baby-Shiatsu unterstützt Kinder und Babys zum Beispiel darin, Reize besser zu verarbeiten – eine wichtige Fähigkeit für das spätere Leben, um sich selbst zu regulieren und zur Ruhe kommen zu können.

Elvira Mikhalkina ist Entwicklungspsychologin und Shiatsu-Therapeutin mit eigener Praxis in Berlin-Mitte: „Die Zuwendung im Baby-Shiatsu beginnt mit dem Griff „Willkommen im Leben! und genau das wollen jungen Eltern ihrem Baby vermitteln: Sie wollen, dass das Baby mit allen seinen Sinnen spüren kann, dass es willkommen ist. Sie machen das durch liebevolle Blicke, sanfte Streicheleinheiten und Berührungen. Was ist aber, wenn die Blicke der Eltern sorgenvoll sind, wenn das Baby mit Weinen auf Streicheln reagiert und wenn ein Baby ohne sichtbaren Grund sehr viel weint und die Nächte der Familie zu Tagen macht? Baby-Shiatsu kann eine wunderbare Möglichkeit sein, dem Baby von Geburt an, mit allem, was da ist, ein Gefühl von Liebe, Geborgenheit und Sicherheit zu vermitteln, das Baby zu beruhigen und ihm zu helfen, im Leben und in seinem eigenen Körper anzukommen und sich gesund zu entwickeln“.

Was ist Shiatsu?

Einmal von vorn, was ist Shiatsu? Shiatsu ist eine Art Massage oder besser Körperarbeit, die ursprünglich aus Japan kommt. Mit Fingern oder Handflächen werden dabei die Energiebahnen des Körpers (Meridiane) sanft stimuliert. In der japanischen Körperarbeit werden Techniken der traditionellen chinesischen Medizin mit Anma, einer alten japanischen Massageform, und westlichem Gedankengut aus Psychologie und Medizin verbunden.

Shiatsu arbeitet mit sanfter Berührung und tief wirkendem gezieltem Druck auf Energiebahnen und Akupunkturpunkte. Der Sinn einer Behandlung liegt darin, die Lebensenergie, das Ki, zu aktivieren und Blockierungen zu lösen. Shiatsu-Behandlungen tragen zur Entspannung und zur besseren Wahrnehmung des eigenen Körpers bei. Sie helfen außerdem eigene Kraftquellen aufzuspüren und die Selbstwahrnehmung zu verbessern. Die Methode hilft dabei, die eigene Mitte zu finden, den Körper bis in die Tiefe zu spüren und negative Erfahrungen zu verarbeiten.

Was ist Baby-Shiatsu?

Im Baby-Shiatsu geht es zunächst darum, das innere Gleichgewicht zu finden. Das Besondere an der Methode ist, dass sie das Kind anregt, wenn es Anreize braucht und es beruhigt, wenn es Entspannung benötigt. Und sicherlich auch die Tiefe der Berührung, des Kontakts, der Wirkung, der körperlichen Erfahrung – sowohl für das Kind als auch für die Eltern.  

Elvira Mikhalkina erklärt: „Es verunsichert Eltern sehr, wenn sie nicht wissen, wie sie ihrem Baby helfen können. Mit Baby-Shiatsu haben Eltern ein Werkzeug an der Hand, mit dem sie ihre elterlichen Kompetenzen stärken können. Wenn Eltern Baby-Shiatsu erlernen, werden sie außerdem miteinbezogen. Ganz der alten chinesischen Regel folgend: „Wer die Mutter stärkt, stärkt auch das Kind“. Gemeinsam mit ihrem Baby erleben Eltern die Wirkung der Griffen und Körperübungen, die die innere Balance und das Wohlbefinden der ganzen Familie fördern“.

Die Techniken des Baby-Shiatsu wurden in Japan von Tradition zu Tradition weitergegeben, darum kann deren genauer Ursprung nicht zurückdatiert werden. In Deutschland nahm man die fernöstlichen Techniken und das Wissen der Meridianentwicklung als Grundlage, diese wurden um die japanische Praxis und westliches Wissen (aus der Bindungsforschung) ergänzt. Genau diese Erweiterung hat es dann wieder zurück zum Ursprung geschafft: So wird mittlerweile das moderne Baby-Shiatsu mit der westlichen Komponente in Japan gelehrt.

Für unterschiedliche Entwicklungsphasen wendet eine Shiatsu-Therapeutin bestimmte Shiatsutechniken an. So gibt es Griffe und Drucktechniken, die ganz konkret bei unterschiedlichen körperlichen und emotionalen Schwierigkeiten helfen und Kinder in ihrer emotionalen, motorischen, sensorischen und energetischen Entwicklung unterstützen.So stärkt zum Beispiel die Behandlung der Babyhände unter Berücksichtigung von speziellen auf der Hand liegenden Akupunkturpunkten das Immunsystem, fördert die Ausgeglichenheit, regt Appetit und die Verdauung an und unterstützt „trinkschwache“ Babys beim Saugen.Unterschiedliche Shiatsu „Glücksgriffe“ helfen auf wundersame Weise dabei, dass Babys in dieser Welt gut ankommen, sich getragen und geborgen fühlen. 

Für wen ist Baby-Shiatsu genau das Richtige?

Die Methode eignet sich für Babys bis zum 18. Monat, Frühchen, Schreibabys, übersensible Babys und unruhige Babys. Sie ist perfekt geeignet, um eine enge Bindung aufzubauen. Zum Beispiel bei Kaiserschnittgeburten oder wenn der Zusammenhalt innerhalb der Familie mit mehreren Kindern gestärkt werden soll.

Baby-Shiatsu kann gerade Kaiserschnittbabys eine Extraportion Zuwendung geben. Man sagt, ihnen fehlt die Erfahrung, es aus eigener Kraft in die Welt geschafft zu haben. Ein sanftes Drücken hilft dem Nervensystem diese Erfahrung in einer anderen Form zu machen. Auch bei Befindlichkeitsstörungen, wie Bauchweh oder Schlafproblemen kann die Behandlungsmethode eine echte Hilfe sein. Oft genügen kleine Anregungen, um den Prozess der körperlichen Regulation in Gang zu setzen.

Schöne Worte zum Abschluss findet die wunderbare Elvira: „Baby-Shiatsu ist sehr unkompliziert und familientauglich. Es braucht keine besonderen Bedingungen, um eine Shiatsu-Einheit dem Baby anbieten zu können, keinen extra gestalteten Raum, kein Massage-Öl, das Baby kann angezogen bleiben, wie es ihm angenehm ist. Es geht beim Baby-Shiatsu um einen gezielten und kräftigeren Druck. Die Methode an sich hat aber auch eine wunderbare Leichtigkeit: Man kann sie als Abendritual genießen oder ins Spielgeschehen einbringen. Das besonders Wertvolle an Baby-Shiatsu ist – Eltern können ihre Kinder von Geburt an dabei unterstützen, sich gesund zu entwickeln und ihr gesamtes Potenzial zu entfalten“

Buchtipp:

Gentle Touch to Help Your Baby Thrive“ von Karin Kalbantner-Wernicke und Tina Haase

Titelbild ©

Weitere Information zu Elviras wundervoller Arbeit findet ihr hier

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