junge sitzt auf einem Stuhl und ist Schoko aus einem großen topf

Kindererziehung: Lass los. Dein Kind und dich selbst.

Als Eltern stellen wir uns jeden Tag einer neuen Herausforderung. Die größte Herausforderung in Sachen Kindererziehung liegt wohl darin, dass wir lernen, unsere eigene Vorstellung loszulassen. Das ist verdammt schwer, führt aber am Ende zu vielen entspannten Familienmomenten. Und die wollen wir doch alle, stimmt‘s?

Das Kind will nicht nach rechts, es will nicht nach links. Es will ab durch die Mitte. Irgendwie kommen wir nicht zusammen, dauernd gibt es Geschrei und Heulerei. Nicht diese Flasche, nicht diese Schuhe, es hat seinen eigenen Kopf und der will durch die Wand. Das zehrt an den Nerven und am Ende des Tages fragen wir uns, gibt es eine Lösung für dieses Dilemma? 

Früher lautete die Lösung, das Kind muss erzogen werden, es muss lernen, dass es einer Richtung zu folgen hat. Es soll hören und verstehen, was der Erwachsene von ihm will. Heute sieht der Ansatz anders aus und er ist gut. Er bedeutet aber auch, dass wir als Erwachsene mit unserem eigenen inneren Kind auf die Reise gehen müssen. Und ja, die ist schwieriger als beim Kind einfach etwas durchzusetzen. 

Warum ist es so wichtig, dass das Kind tut, was wir wollen?

Wir können uns in jeder einzelnen Situation fragen, warum es so wichtig ist, dass das Kind etwas tut, was wir gedacht oder geplant haben? Fangen wir beim Spaziergang an. Der eigentliche Weg geht rechts lang, das Kind entscheidet sich aber für links. Statt starr an dem einen Weg festzuhalten, könnten wir einfach von unserem Plan loslassen und mal mit nach links laufen. Wer weiß, was es dort zu entdecken gibt? Wer will schon immer auf eingetrampelten Pfaden laufen. Und dann die Sache mit dem Anziehen. Durch die gehen wohl Jahr für Jahr Millionen von Eltern. Die Mutter plant das rote Kleid mit der blauen Leggings, das Kind will aber die pinke Leggings. Wir finden vielleicht das passt nicht, aber ist es nicht egal, wenn wir damit einer großen Streiterei für den Moment aus dem Weg gehen können? Wer bestimmt was passt? Ich bin mir sicher, dass Vivienne Westwood als Kind tausend Sachen getragen hat, die nicht gepasst haben. 

Es geht mit Sicherheit nicht darum, dass wir den Kindern alles durchgehen lassen, dass sie alles entscheiden dürfen und das Leben der Familie bestimmen. Es geht darum, dass wir uns den Alltag erleichtern, indem wir öfter mal loslassen. Von unseren eigenen Vorstellungen, die vielleicht nicht immer richtig sind und von einem Plan, den wir umsetzen möchten. Wir merken jeden Tag: Flexibilität ist eine der wichtigsten Eigenschaften für junge Eltern. Geh flexibel mit dem, was das Kind gerade braucht. Und was heute nicht funktioniert, kann morgen ohne mit der Wimper zu zucken, klappen.

Finde Lösungen, werde kreativ!

Du hast einen entspannten Urlaub am See geplant, aber das Kind weint die ganze Zeit. Dann hol die Wanderschuhe raus, schnall dir den Rucksack um, pack das Kind hinten drauf und mach eine Wanderung. Das ist eine andere Form von Erholung, aber sie tut gut und du bist am Abend erholter als wenn du die ganze Zeit am See hängen bleibst und versuchst das Kind von deiner Vorstellung zu überzeugen. Und wenn das Kind partout nicht die Klamotten des Tages anziehen will, sondern den Schlafanzug anbehalten möchte, dann schickst du es genau damit in die Kita. Was du abstellen musst, ist das Gefühl versagt zu haben, aber das Kind wird sich sicher nicht wohlfühlen und am nächsten Morgen Lust auf‘s Umziehen haben.

Hier sind unsere Tipps für eine entspannte Erziehung, an denen wir uns selbst gerade abarbeiten:

  1. Lass los – hör auf, alles und jeden zu kontrollieren. Auch das Kind nicht. Kontrolle ist immer eine Form von Angst. Schau dir lieber an, was dich selbst so ängstigt und wo die Angst her kommt.
  2. Lass los – und lass dich auf den Rhythmus deines Kindes ein. Super schwer, aber super gut, damit es entspannt bleibt. Gib deinem Kind immer zwei Wahlmöglichkeiten und damit das Gefühl, dass es bestimmen darf. So kannst du am Ende des Tages mehr Freiheiten genießen
  3. Lass los – von der Idee, dass du alles perfekt machen musst. Kinder brauchen es nicht perfekt. Frage dich lieber, woher die Idee kommt, dass alles perfekt sein müsste? Du darfst Fehler machen und daraus lernen, im besten Fall mit deinem Kind zusammen.
  4. Lass los – und beobachte dein Kind. Finde heraus, wie es tickt, was es braucht. Informiere dich, nehme an Kursen teil und mach all das, was Mütter machen, aber lass dich am Ende von deinem Kind lehren, was es braucht. Höre zu, ohne zu bewerten. 

Viel Freude beim Loslassen!

Buchtipps:

The Conscious Parent* von Shefali Tsabary
Erziehen ohne Schimpfen* von Nicola Schmidt
Die Schimpfidät –  In 7 Schritten zu einer gelassenen Eltern-Kind-Beziehung* von Daniela Gaigg

Titelbild @ Nathan Dumlaovia Unsplash

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