Persönlichkeitstest – halte dir selbst den Spiegel vor

Du scheust keine Kosten und Mühen dir selbst näher zu kommen und dich mit jedem neuen Lebensjahr besser kennenzulernen? Dann sind wir der perfect match, wir nämlich auch nicht. Egal ob Therapie, Meditation, Coaching oder Zeremonien – wir sind dabei! Ein Persönlichkeitstest ist da eine vergleichsweise kleine Nummer. Schnell vom Sofa aus ausgefüllt und zack, das Ergebnis in der Hand. Schwarz auf Weiß erfahren wir, wer wir sind und halten uns selbst in geschützter Atmosphäre einen Spiegel vor. Ist das wirklich so und was bringt uns so ein Test? Wir stellen euch fünf der bekanntesten Tests vor. 

Doch bevor es los geht: Persönlichkeit, was ist das eigentlich? „Persönlichkeit ist die Gesamtheit der persönlichen Eigenschaften eines Menschen.“, sagt Wikipedia. Etwas genauer ausgeführt ist Persönlichkeit, das einzigartige Gesamtsystem an physischen und psychischen Merkmalen eines Menschen, seine Anpassungsweisen in Auseinandersetzung mit internen und externe Gegebenheiten sowie das eigene Selbst- und Welterleben. (Schneewind, Klaus A.: Persönlichkeit, in: Spektrum,  https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/persoenlichkeit/11379) Gehen wir von der Persönlichkeit als Prozess aus, dann ist damit die Entwicklung dieses Gesamtsystems über die gesamte Spanne unseres Lebens hin gemeint. Hier schwingt sofort mit, dass unsere Persönlichkeit ein dynamisches Konstrukt ist – neben zeitstabilen Eigenschaften, die sich nur wenig verändern, spielen auch die Art der Situation, unsere Umgebung und unsere Interaktionspartner eine Rolle. 

Zu guter Letzt lässt sich Persönlichkeit in Charakter und Temperament einteilen. Dabei ist das Temperament oft schon in der frühen Kindheit erkennbar, ist stabil und wird über die Genetik bestimmt. Unser Charakter hingegen ist veränderlich und wird durch das Leben geformt. Die oben erwähnten zeitstabilen Eigenschaften werden übrigens in der Persönlichkeitspsychologie „Traits“ genannt. Generell unterscheiden die meisten Tests zwischen Typen und Traits. So geht der vorgestellte Myers Briggs Test von Persönlichkeitstypen aus und der Big Five-Test von Traits. Eine Person kann zwar mehrere Traits, also zeitstabile Eigenschaften haben, kann aber nur einem Typ zugeordnet werden. Am besten du schaust, welches Modell dir am meisten zusagt.

Eines wollen wir jedoch nicht unerwähnt lassen: den Barnum-Effekt. Der Effekt bezeichnet die Neigung von Menschen, allgemein gültige Aussagen über die eigene Person als  zutreffende Beschreibung zu interpretieren. Ein Persönlichkeitstest profitiert von diesem Effekt, weil wir uns in den Ergebnissen wiedererkennen, egal ob diese passend sind oder nicht. Das ist dann der Fall, wenn sie vage stimmen (Barnum-Effekt), wenn wir genau dieses Ergebnis erwartet haben (Bestätigungsfehler), wenn wir positive Punkte über uns selbst lesen (Halo-Effekt) und wenn wir davon überzeugt sind, das etwas funktioniert (Placebo-Effekt).

Myers-Briggs-Test 

„It is up to each person to recognize his or her true preferences.”
Isabel Briggs Myers

Das  Myers-Briggs-Modell ist ein weltweit verbreitetes Persönlichkeitsprofil und eines der am häufigsten eingesetzten Instrumente in der Personalentwicklung. Das Modell wurde ursprünglich vom Schweizer Psychiater Carl Jung entwickelt, um Menschen den psychologischen Modellen zuzuordnen. Das Mutter-Tochter-Gespann Katharina Cook Briggs und Isabell Briggs Myers haben später den Typen-Indikator erfunden, um die Theorie der psychologischen Typen verständlich zu machen. Unterschied Jung zu Anfang nur zwischen extravertiert und introvertiert, entwickelte er später die vier Funktionen Denken, Fühlen, Intuition und Empfinden. Weiterentwickelt ergaben sich so 16 unterschiedliche Persönlichkeitstypen. Jeder besteht aus einer Kombination von vier Merkmalen aus einer Liste von acht Möglichkeiten: Extraversion (E), Wahrnehmung (S), Denken (T), Urteilsvermögen ( J), Introversion (I), Intuition (N), Gefühl (F), Wahrnehmung (P). So ergibt sich am Ende des Tests eine Buchstabenkombination, die uns mehr über die eigene Persönlichkeit sagen soll. Wenn du beispielsweise ein „ISTJ“ bist, dann sind bist du eine intuitive, spürende, denkende und beurteilende Persönlichkeit. Der Indikator misst somit Neigungen, wie Menschen bevorzugt Informationen wahrnehmen und auf Grund dessen Entscheidungen treffen. Wichtig zu wissen: Der Modell wird von der wissenschaftlichen Psychologie abgelehnt.

Der Original Myers Briggs Test kannst du online ausfüllen oder über einen zertifizierten Berater machen, der danach das Ergebnis mit dir bespricht.  Wer sich in Amerika bewirbt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit mit dem Test konfrontiert. In Deutschland gibt es nur weniger Berater, die den Test anbieten.

Du findest den Original-MBTI hier:
https://eu.themyersbriggs.com/de-DE/tools/MBTI/MBTI-Step-I

Einen kostenlosen Persönlichkeitstest zu den 16 Typen findest du hier:
https://www.16personalities.com/de/kostenloser-personlichkeitstest

Ebenfalls kostenlos ist der Jung Typology Test, der auf dem MBTI basiert: 
http://www.humanmetrics.com/cgi-win/jtypes2.asp

Enneagramm – What energizes you?

Das Enneagram ist ein neunspitziges Symbol, entstanden aus einem Sechseck und einem Dreieck, eingesetzt in einen Kreis. Dabei steht der Kreis für die Essenz des Lebens und Vollkommenheit, das Dreieck für das Nicht-Duale und das Sechseck für das Nicht-Vollkommene, Chaotische. Enneagram bedeutet übersetzt „Neuner-Bild“ und so unterscheidet das grafisches Strukturmodell neun als grundsätzlich angenommene Qualitäten, ordnet diese und setzt sie zueinander in Beziehung.

Das moderne Persönlichkeitsmodell kann nicht genau zurückdatiert werden, stammt aber wahrscheinlich von dem Esoteriker und Schriftsteller Georges I. Gurdjieff. Es teilt den Mensch in  neun Persönlichkeitstypen: Perfektionist, Geber, Dynamiker, Individualist, Beobachter, Skeptiker, Optimist, Verantwortlicher und Vermittler. Das Grundkonzept basiert auf der Definition, dass es neun Persönlichkeitsmuster gibt, von denen jeder Mensch Teile in sich trägt, wobei eines ihn besonders prägt. Das jeweilige Muster kann dabei unterschiedliche Entwicklungsstufen aufweisen. An einem Ende befindet sich die unreife Persönlichkeit, am anderen Ende die gereifte Persönlichkeit und dazwischen liegen die normalen Ausprägungen eines Typs. Im Laufe des Lebens kann eine Reifung hin zu einer erlösten Persönlichkeit erreicht werden. Nach der enneagrammatischen Persönlichkeitstypologie verfügt jeder Mensch über drei Intelligenz- oder auch Energiezentren: Kopf, Herz und Bauch. Jeder der neun Typen ist entweder im Kopf, Herz oder Bauch verortet.

Das Enneagram wird meist für persönliche Selbsterkenntnis eingesetzt. Ziel ist es, sich des eigenen Denkens und Fühlens bewusster zu werden und sich dadurch mehr wahrzunehmen.

Hier kannst du den Enneagram-Test kostenlos durchführen:
https://www.yourenneagramcoach.com/
https://www.truity.com/test/enneagram-personality-test

Big-Five-Persönlichkeitstest – Was wirklich zählt im Leben.

Das Big-Five-Modell ist das gängigste Modell der Persönlichkeitspsychologie. Laut diesem Modell gibt es fünf Eigenschaften oder Dimensionen der Persönlichkeit, in die man Menschen einordnen kann: Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus. Im Englischen wird das Modell auch als OCEAN-Modell bezeichnet, wobei die Anfangsbuchstaben jeweils für die fünf Eigenschaften stehen. Die Ursprünge des Modells liegen in den 30er Jahren als verschiedene Forscher einen lexikalischen Ansatz verfolgten. 

Dahinter steht der Gedanke, dass die menschliche Sprache für alle persönlichen Merkmale Begriffe entwickelt. Die Liste der Wörter wurde über die Jahrzehnte immer weiter gekürzt und die amerikanischen Psychologen Lewis Goldberg, Paul Costa und Robert McCrae haben daraus fünf stabile Dimensionen gebildet. Sie haben nachgewiesen, dass sich jeder Mensch einem individuellen Mix dieser Persönlichkeitstypen zuordnen lässt. Diese fünf Faktoren sind unabhängig davon in welchem Kulturraum und mit welchen Instrumenten getestet wird. Der Begriff„Big Five“ geht auf den Forscher Lewsi Goldberg zurück, der die Forschung dazu vorangetrieben hat.
Die fünf Faktoren des Modells liefern keine vollständigen Erklärungen für die eigene Persönlichkeit, aber sie umfassen den größten Teil der persönlichkeitsbezogenen Begriffe. Es sind Faktoren, in die weitere Merkmale passen. So umfasst der Faktor Verträglichkeit auch Großzügigkeit, Liebenswürdigkeit und Wärme auf der positiven Seite und Aggressivität und Temperament auf der negativen Seite. Die Merkmale sind somit mehr als Polaritäten zu verstehen, die auf ein Kontinuum zwischen zwei Extremen hinweisen. (Grafik https://blog.adioma.com/5-personality-traits-infographic/)
Das Modell macht also auch darauf aufmerksam, dass jedes Merkmal eine Kehrseite hat. Wenn jemand locker ist, so ist er vielleicht auch etwas nachlässig.
Das Big-Five-Personlichkeitsmodell ist heute internationaler Konsens in Wissenschaft und Forschung und wurde in über 70 Sprachen übersetzt. Es findet gehäuft Anwendung bei der Auswahl und der Zusammenstellung von Personal und eignet sich nicht nur für die Selbst-, sondern auch für eine Fremdbeschreibung. 

Hier kannst du den Big Five-Test machen:
https://www.psychologytoday.com/intl/tests/personality/big-five-personality-test
https://www.psychomeda.de/online-tests/persoenlichkeitstest.html

VIA-IS Persönlichkeitstest

Der VIA-IS Persönlichkeitstest ( Inventory of Strengths ) gehört in den Bereich der Positiven Psychologie und wird zur Messung von psychologischen Stärken und Tugenden eingesetzt. Er wurde unter der Leitung der Psychologen Christopher Peterson und Martin Seligman in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Values-In-Action (VIA) Institute entwickelt und findet seit 2004 Verwendung. Die deutsche Adaptation wurde am Lehrstuhl für Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik der Universität Zürich unter der Leitung von Prof. Dr. Willibald Ruch vorgenommen und wird fortlaufend weiterentwickelt. 

Der VIA-IS Persönlichkeitstest arbeitet nicht mit Persönlichkeitsmerkmalen, sondern mit 24 verschiedenen Charakterstärken, die sich sechs Tugenden zuordnen lassen: Weisheit und Wissen, Mut, Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Transzendenz. Bei den positiven Stärken sind Eigenschaften dabei, die in den meisten anderen Modellen keine Berücksichtigung finden wie Spiritualität, Kreativität und Dankbarkeit. 

Der Fragebogen besteht insgesamt aus 240 Fragen bzw. Aussagen, die danach eingeschätzt werden, wie zutreffend oder unzutreffend sie sind. Als Auswertung bekommt man eine Auflistung der 24 Stärken. Das Ergebnis beginnt mit der der am stärksten ausgeprägten Stärke und endet mit der am wenigsten ausgeprägten. Die erste Stärke ist dabei am wichtigsten, die letzte meist wenig charakteristisch. Laut Forschung weisen Menschen meist zwischen drei und sieben Signaturstärken (zentrale Stärken deren Ausübung als Erfüllung empfunden wird) auf. Es lohnt sich somit sich auf die ersten fünf Ergebnisse zu beziehen und diese als Top fünf Stärken zu behandeln. 

Der gute Effekt dabei: Wir erfahren Zufriedenheit bei der Ausübung unserer Stärken im Beruf oder in der Freizeit. Der VIA-IS ist kein wissenschaftlich belegter Test und ähnelt dem Gallup Strengths-Finder-Test.

Hier geht‘s zum Test:
https://www.viacharacter.org/

HEXACO-Modell

Das Hexaco-Modell basiert auf dem „BIG 5“-Modell und ergänzt dieses um eine weitere Eigenschaft, Ehrlichkeit. Hexaco ist ein sechs dimensionales Modell der Persönlichkeit und wurde von den kanadischen Psychologieprofessoren Kibeom Lee und Michael C. Ashton entwickelt. Hexa steht für sechs und gibt die Anzahl der Dimensionen an: Ehrlichkeit und Bescheidenheit, Emotionalität, Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Offenheit für Erfahrungen. Auch diesem Modell liegt der oben beschriebene lexikalische Ansatz zugrunde. Grundannahme der Wissenschaft ist, dass jede Sprache Begriffe für wichtige Persönlichkeitsmerkmale hat. 

Der Unterschied zum „BIG 5“-Modell ist zum einen der Faktor Ehrlichkeit und die Begründer nutzen einen anderen Terminus für Neurotizismus, nämlich Emotionalität. Dabei geht es vor allem darum dieses Merkmal positiver zu verstehen, denn neurotische Menschen zeigen neben der Sorge um den Körper und die größere Stressanfälligkeit auch ein hohes Maß an Empathie und emotionaler Verbundenheit. Der Faktor Emotionalität wurde hinzugenommen, um Menschen zu erfassen, die sehr bescheiden sind und ihr Licht unter den Scheffel stellen und dadurch auch im Berufsleben schneller untergehen.

Das Hexaco-Modell basiert auf Studien in verschiedenen europäischen und asiatischen Sprachen. Den Test gibt es in drei Versionen: Eine Version mit 100-Fragen, eine 60-Fragen-Version, die als erste grobe Einstufung dient und eine ausführlichere 200-Fragen-Version. 

Hier geht’s zum Hexaco-Test:
http://hexaco.org/hexaco-inventory

Was wir von den Persönlichkeitstests halten?
Wir finden so ein Persönlichkeitstest kann unglaublich hilfreich sein, wenn’s um den Beruf geht. Das Ergebnis hilft, die eigenen Stärken und Begabungen herauszufinden oder eben auch das, was einem vielleicht nicht so liegt. Unsere Favoriten sind der Myers- Briggs-Test und das Big Five-Modell.
Wenn du dich für einen der Tests entscheidest, lass uns gern wissen, wie es dir damit ergangen ist und erzähl uns, warum du den Test gemacht hast. Schreib uns gern an redaktion@personalitymag.com

Weiterführende Lektüre zu den Tests:

  • “Enneagram in Love and Work” von Helen Palmer
  • “The Nine Ways of Working” von Michael Goldberg
  • “Big Five – Sich selbst und andere erkennen” von Thomas Saum-Aldehoff
  • „Gifts Differing: Understanding Personality Type – The original book behind the Myers-Briggs Type Indicator (MBTI) test” von Isabel Briggs Myers und Peter B. Myers 
  • “Millenneagram: The Enneagram Guide for Discovering Your Truest, Baddest Self” von Hannah Paashe
  • “What’s Your Type?: The Strange History of Myers-Briggs and the Birth of Personality Testing” von Merve Emre 
  • „The H Factor of Personality“ von PhD Lee, Kibeom und Michael C. Ashton

Titelbild © Anton Shakirov via Unsplash

2 Kommentare zu “Persönlichkeitstest – halte dir selbst den Spiegel vor

  1. Definitiv alles tolle Tests…habe ich fast alle schon einmal gemacht; erfahren welche Werte mir wichtig sind und, und, und…aber was kommt danach? Was mache ich mit diesem Wissen? Was hilft mir, diese Werte in mein Leben zu tragen, sodass ich danach lebe? Zur Zeit befinde ich mich in einem Coaching, das auf einem Test basiert, welcher dem Myers-Briggs ähnelt. Das Gute daran, die Auswertung wird zusammen mit dem Coach analysiert…besser seziert…ich lerne mich ganz genau kennen und lerne auch, wie ich mein Leben nun nach den Werten ausrichte, die mir wichtig sind. Wie ich mich und meine Werte schütze und andere Menschen mit ihren Werten anerkenne. Mein Coach nennt es immer „Forschungsprojekt …“

    Richtig gut, dass ihr hier mal alles zusammentragt, was es auf dem Markt der Persönlichkeitstest frei zugänglich gibt. Der erste Schritt…danach kommt bei vielen hier wohl auch der nächste (evtl. arbeits- und kostenintensivere) Schritt, der sich lohnt :)

  2. Danke für dein Feedback, liebe Sophia. Oh ja, die gemeinsame Arbeit mit einem Coach empfinden wir auch als wichtig. Toll, dass du auf dem Weg bist.

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