Selbstheilung – die Kraft, die uns allen wohnt.

Alles Quatsch mag der ein oder andere denken, wenn er den Begriff Selbstheilung hört. In der Naturheilkunde wird der Selbstheilung ein großer Stellenwert eingeräumt, denn ähnlich wie in den östlichen Traditionen ist man auch hier davon überzeugt, dass der eigentliche Lehrer und Arzt in uns selbst wohnt.

„Der Arzt verbindet deine Wunden. Dein innerer Arzt aber wird dich gesunden.“

Paracelsus

Dieses Zitat von Paracelus drückt ganz wunderbar aus, wie wichtig unserer eigener Beitrag zur Gesundheit ist. Oftmals gehen wir zum Arzt, geben die Verantwortung ab, möchten ein paar Medikamente und dann soll bitte wieder alles so sein wie vorher, denn krank sein ist nervig. Das ein oder andere Mal wäre es sowohl für unsere körperliche als auch unsere psychische Gesundheit besser, wenn wir uns selbst fragen, warum wir krank sind und woher der Schmerz kommt.

Einen großen Anteil an Heilung hat Bewegung. Egal ob Yoga, Ausdauertraining oder Tennis spielen: es werden Schutz-, Reparatur- und Aufbauprozesse angestoßen und der Körper lernt. Bewegung, die wir am Ende selbst ausführen müssen, ist ein Heilmittel für fast alle Krankheiten. Hinzu kommt, unser Körper hat eine hohe Regenerationsfähigkeit, sprich nicht jedes Symptom muss behandelt werden, sondern es kann hilfreich sein, sich die Zeit zu nehmen herauszufinden, was wirklich wichtig ist und woher etwas kommt. Ebenso grundlegend ist die Einsicht, dass Körper, Geist und Seele eine Einheit bilden und nicht getrennt voneinander betrachtet werden können.

Selbstheilungskräfte sind keinesfalls esoterisch, vielmehr verbirgt sich dahinter eine Anpassungsfähigkeit des Körpers an komplexe Herausforderungen. Denn wir sind täglich einer Menge von Erregern ausgesetzt (Bakterien, Viren, Feinstaub, Chemikalien etc). und dennoch werden wir in den meisten Fällen nicht krank. Was sind also die Ursachen von Gesundheit, bzw. was braucht es, dass wir gesund bleiben?

Die Matrix der Sebstheilung

Der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky hat nach zahlreichen Studien so etwas wie eine Matrix aufgestellt. Ganz zentral für Gesundheit ist demnach die Verstehbarkeit. Deshalb finde ich auch Psychotherapien so hilfreich, weil sie uns im Endeffekt helfen zu verstehen, statt zu verdrängen.  Beim Verstehen geht es darum zu schauen, ob man selbst Erklärungen hat für das, was los ist. Wenn das gegeben ist, führt es zur Erleichterung auch wenn noch kein wirklicher Ausweg in Sicht ist. Das zweite Kriterium wäre die Handhabbarkeit. Darunter verstehen wir den positiven Blick auf die Dinge, die Einsicht, dass die Erkrankung für etwas gut ist uns auf etwas aufmerksam macht. Oder auch der Gedanke, dass man schon mit Schlimmerem fertig geworden ist. Wenn wir Vertrauen können, dass alles gut wird, hat das eine enorme Auswirkung. Beten und Chanten zum Beispiel wirken beruhigend auf den gesamten Organismus. Auch die Wiederholung von Mantren, spirituell aufgeladenen Wörtern, ist eine Heilkunst für sich.

Respekt und Demut können dabei helfen besser mit einer Krankheit klar zu kommen. Das letzte Kriterium in Antonovskys Matrix der Selbstheilung ist die Sinnhaftigkeit. Da können wir alles reinpacken, was wir heute als moderne Spiritualität bezeichnen. Wenn dann alle drei Faktoren zusammenkommen, entsteht ein Kohärenzgefühl. Übersetzt bedeutet es: Das Wissen um den inneren Zusammenhang verbunden mit dem äußeren Halt. Je stärker dieser Sinn, desto stärker die psychische Gesundheit und die wiederum hat eine nicht zu unterschätzende Auswirkung auf unseren Körper. Und auch der Placebo-Effekt hat seine Berechtigung, denn Hoffnung auf etwas aktiviert Regionen im Gehirn durch die Qxytocin ausgeschüttet wird. Diese Ausschüttung sorgt dafür, dass Vertrauen entsteht.

Wir können wir also unseren inneren Arzt wecken?

Mantren, Praktiken, innere Arbeit und Rituale senden Signale aus, die therapeutisch genutzt werden können. Allein der wichtige Körperkontakt, die Berührung kann einen Teil der Heilung übernehmen. Wir kennen das alle, wenn sich ein Arzt wirklich Zeit nimmt und liebevoll ist, dann genesen wir schneller.

Der größte Beitrag, den wir selbst übernehmen können, ist es nach der Verstehbarkeit in eine Art Handlungsfähigkeit zu kommen. Ich glaube daran, dass Selbstheilung nur mit radikaler Ehrlichkeit uns selbst gegenüber funktioniert. Passt dieser Job, dieser Partner oder auch dieses Leben zu mir oder macht es mich auf verschiedene Art und Weise krank? Wenn die Antwort darauf ein nein ist, dann sollten wir es uns erlauben Dinge zu verändern.

Buchtipp:

Heilen mit der Kraft der Natur von Prof. Dr. Andreas Michalsen.

Titelbild © Elia Pellegrini via Unsplash

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