Zack, erleuchtet: Wie lassen wir los?

In unserer Rubrik „Zack, erleuchtet“ laden wir jeden Monat eine Coachin ein, eine Antwort auf die Frage der Ausgabe zu formulieren. Katrin Gietemann ist Agile Coach und Organisationsentwicklerin. Das Wichtigste: Sie hat den Durchblick und das Herz am rechten Fleck. Wir freuen uns sehr über ihre wunderschöne Antwort auf die aktuelle Dezember-Frage „Wie lassen wir los?“

2020 mussten wir uns gezwungenermaßen mit vielem auseinandersetzen: mit Sorgen, Ängsten, Ungewissheiten. Losgelassen haben wir dabei so einiges – vor allem Pläne, die wir in diesem Jahr gehabt hätten. Hier blieb uns keine Wahl, wir mussten uns von lieb gewonnenen Vorstellungen verabschieden. 

In unserem normalen Alltag fällt uns das aktive Loslassen oftmals schwer. In meinen Coachings erlebe ich häufig, dass wir in Situationen verharren, die uns nicht gut tun. Dass der Schritt loszulassen nicht einfach ist. Aber warum ist das so? Was hindert uns daran, Menschen, Dinge, Entwicklungen gehen zu lassen, die uns offensichtlich so viel Energie rauben? 

“There is freedom waiting for you, on the breezes of the sky, and you ask ‘What if I fall?’
Oh but my darling, what if you fly?”

Erin Hanson

Wir haben Angst vor dem Ungewissen. Sorge davor, dass das “danach” nicht besser wird. Vor diesem Hintergrund verlieren wir den Blick für die Möglichkeiten. Unser Kopf hält an bestehenden Konzepten fest. Bekanntes gibt Sicherheit. Unser Gefühl sagt uns währenddessen immer wieder, dass wir so nicht mehr weitermachen möchten. Und doch ist es schwer, in die Handlung zu kommen. Loslassen bedeutet auch, anzuerkennen, dass etwas ganz anders verlaufen ist, als wir uns das gewünscht haben. Das zu akzeptieren braucht Zeit. Das darf betrauert werden, wir dürfen wütend und verzweifelt sein, uns ungerecht behandelt fühlen. 

Du bist der Akteur in deinem Leben

Und dann? Dann machen wir uns bewusst, dass wir der Akteur in unserem Leben sind. Loslassen ist etwas anderes als aufgeben – loslassen bedeutet, klar bei sich zu sein. Den Blick weg von der uns belastenden Situation nach vorne zu neuen Chancen zu richten. Wir stellen uns der Angst und überprüfen, was begründet, realistisch oder übertrieben ist. Wir überlegen, welche Lösungen es geben kann und wie wir es schaffen, die Situation zu verändern. Und vor allem hadern wir nicht damit, diesen Schritt erst jetzt zu gehen, sondern freuen uns darüber, nun wieder das Ruder in die Hand zu nehmen. Alles hat seine Zeit und seinen Sinn. Die Zeit des in der Situation „Verharrens“ hatte genau so seine Daseinsberechtigung, wie die Zeit des „Ausbrechens“ daraus. 

Es ist nicht ungewöhnlich, wenn nach dem ersten Aktionismus eine Lücke entsteht. Wir haben etwas verloren und können das Neue vielleicht noch nicht greifen . Aber wir haben den ersten Schritt getan, hin zu mehr Zufriedenheit, Leichtigkeit, Lebensfreude und Energie. Manche Dinge, können wir nicht verändern, aber wir können bestimmen, wie wir damit umgehen.

Über Katrin Gietemann
Katrin lebt mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter in Hamburg. Sie arbeitet als Agile Coach & Organisationsentwicklerin bei der otto group. Seit 2014 ist sie außerdem freiberuflich als Business Coach tätig. Sie hat eine systemische Coaching Ausbildung (anerkannt vom DBVC) an der Coachingakademie Hamburg absolviert. Schwerpunkte ihrer Coaching-Arbeit sind Unterstützung und Begleitung von beruflichen Veränderungsprozessen, Entwicklung und Stärkung der eigenen Führungsrolle, sowie die Bewältigung von Konfliktsituationen. 

Wenn du Interesse an einem Coaching mit Katrin hast, schreib ihr gern eine E-mail an post@katrin-gietemann.de.

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