eine seitlich stehende Frau vor dem Meer. Sie fällt nach vorne.

Mama-Burnout – Wenn alles zuviel ist

Mamas sind Familienmanager, Partnerin, Krankenschwester, Entertainerin, Köchin, Lehrerin und vieles mehr. Die Mehrfachbelastung ist bei vielen Müttern Alltag. Dr. Nina Roy, Ärztin für Allgemeinmedizin und TCM-Therapeutin kennt das Problem und hat fünf wichtige Tipps zusammengestellt, damit es nicht zum Mama-Burnout kommt.

Was ist ein Burnout?

Der Begriff Burnout kommt aus dem Englischen („to burn out“ = „ausbrennen“) und bezeichnet den Zustand totaler Erschöpfung, der unter anderem mit Müdigkeit, Überforderung, Lustlosigkeit und körperlichen Beschwerden einhergeht. Was als Managerkrankheit populär wurde, hat heute den Weg in die Familie gefunden. Insbesondere Mütter sind vom Burnout betroffen. Das ist die Erkenntnis mehrerer Untersuchungen. Die Ursache liegt in der Mehrfachbelastung durch Kinder, Haushalt und Job. Schließlich organisieren meistens Mütter die Familie. Sie sind also ganz nebenbei „Manager“ für das Unternehmen Familie. 

Tragisch daran ist, dass die Mehrfachbelastung der meisten Mütter immer noch als ganz selbstverständlich hingenommen wird. Deswegen rate ich Patient*innen immer dazu, sich sehr gut um sich selbst zu kümmern. Denn nur, wenn es dir als Frau und Mutter gut geht, kannst du deiner Familie mit deiner ganzen Kraft helfen.

Wenn du also an Reizbarkeit, ständige Müdigkeit, Schlafproblemen, Vergesslichkeit oder dem Gefühl der permanenten Überforderung leidest, dann ist es höchste Zeit, etwas zu verändern. Und die Lösung liegt nicht in einer künstlichen Regulierung deiner Hormone, Aufputsch- oder Beruhigungsmitteln.

Hole dir Hilfe und Unterstützung

Du solltest dir ganzheitliche und nachhaltige Hilfe suchen, wenn du dich in einem Burnout oder auf dem besten Wege dorthin befindest. Was nämlich nicht zu unterschätzen ist, ist die Macht der Gewohnheit. Auch in Bezug auf deine Umgebung. Denn die sieht es natürlich sehr gerne, wenn du immer weiter funktionierst. Wenn du dauerhaft aus deiner Burnoutspirale herausmöchtest, musst du selbst aktiv und sehr bewusst etwas dagegen tun. Sonst wirst du Opfer deiner eigenen Denk- und Funktionsmuster. Immer und immer wieder.

Und als würde das nicht ausreichen, setzt das Universum noch eins drauf. Die aktuelle Situation gleicht einer Meisterprüfung in Burnoutbewältigung bzw. Burnoutprävention. Denn durch das ständige Wechseln zwischen Homeschooling und Distanzunterreicht, den wöchentlich neuen Regeln und Lockdownmaßnahmen wird die Organisation nicht einfacher. Als Mutter hast du so viele Berufe: Du bist Haushälterin, Köchin, Lehrerin, Krankenschwester, Ärztin, Taxidienst, Psychologin und Entertainerin. Ganz nebenbei vielleicht auch Partnerin, Tochter, Schwester und Pflegerin der Familienangehörigen. Und nun kommt zur schon gehabten Belastung noch hinzu, dass du deinen Kindern mehr Unterstützung beim Lernen bieten darfst. Wahrscheinlich haben sich dazu noch die Anforderungen geändert, wenn auch Dein Mann zu Hause am Rechner sitzt. Möglicherweise habt ihr Platzprobleme, jeder findet seine eigenen To Dos besonders wichtig und außerdem erfordert es gute Absprachen und Flexibilität, wenn sich die Tagesabläufe mehrmals verändern.

Die Aufgaben, die du bewältigst, müssen auf mehrere Schultern verteilt werden. Und das musst du selbst in die Hand nehmen. Denn ohne deine Initiative wird es keiner verändern. Schließlich funktioniert zu Hause doch vieles wie von alleine. Ich sage nur „Perfektionismus Lebwohl“.

Ich möchte dir noch fünf Tipps mit auf den Weg geben, die du im Alltag umsetzen kannst.

1. Verabschiede dich von jeglicher Perfektion

Lass dich nicht von strahlenden Übermamas aus dem Fernsehen verunsichern. Du musst weder perfekt gestylt sein, noch selbstgebackenen Kuchen zwischen den Telefonkonferenzen reichen. Um als Mutter im Lockdown deine vielfältigen Aufgaben in den Griff zu bekommen, brauchst du Struktur. Und genau diese entsteht am besten in dir selbst. Weil du weißt, dass es sowieso anders kommt.

2. Bewegung und Entspannung, um deinen Stress abzubauen

Bewege dich täglich, um deinen Stress abzubauen. Mache Yoga oder Dehnübungen. 30-40 Minuten Anstrengung bringen dein Herz- Kreislauf-System in Schwung und lassen dich abends besser zur Ruhe kommen.

3. Unterstützung im Alltag – Organisiere dir Hilfe 

Gerade wenn du kleine Kinder hast, ist es unmöglich zu arbeiten, während sie ruhig und fröhlich vor sich hin spielen oder das neue Bastelset ausprobieren. Wenn du einen Partner hast, dann bitte auch ihn um Hilfe. Er sollte dir unter die Arme greifen oder mit dir gemeinsam nach Lösungen suchen. Und wenn du alleinerziehend bist, ist es umso wichtiger, dass du ein wenig Unterstützung findest – bei Nachbarn, Freunden in der Nähe, bei Eltern gleichaltriger Kinder oder bei Personen, die dich als Mutter im Lockdown verstehen

4. Gesunde Ernährung

Nimm dir unbedingt Zeit zum Kochen und vergiss dabei nicht: Du bist, was du isst. Koche am besten regional und saisonal. Denn frisch gekochte Nahrung ist nach wie vor die einfachste Methode gegen Krankheit und zur Stärkung von Körper, Geist und Seele. Lass den Kaffee weg und trinke lieber warmes Wasser. Und wenn du jetzt noch den Alkohol meidest, verspreche ich dir, dass es dir besser gehen wird. 

5. Spaß und Freude dürfen wieder einkehren

Verbringe Zeit mit der Familie, einer Freundin oder mit dir allein. Genieße die Zeit mit deinem Kind, einen Couch-Potato-Tag oder gehe raus in die Natur. Genieße gutes Essen und leckere Getränke. Genieße es, dich zu bewegen und dich zu spüren. Lies ein gutes Buch. Genieße vor allem deine kleine und große Erfolge und die deiner Kinder. Tu´ dir Gutes!

Und wenn es dir dann besser geht, hab kein schlechtes Gewissen. Dann hättest du aus chinesischer Sicht eine „schwache Mitte“. Und die steht dir als Mama gar nicht, denn du darfst der Ruhepol für deine Kinder sein. Also: Lachen und Gemütlichkeit sind nicht nur erlaubt, sondern jetzt ganz besonders gefragt.

Ich wünsche dir viel Gesundheit,
deine Nina

Über Dr. Nina Roy:

Dr. med. Nina Roy, ist TCM-Therapeutin und Ärztin für Allgemeinmedizin. Sie betreibt eine Praxis für Allgemeinmedizin, Naturheilkunde, sowie ganzheitliche und Traditionelle Chinesische Medizin in Düsseldorf. Sie war Dozentin am Lehrstuhl für Naturheilkunde mit Schwerpunkt TCM an der Universität Duisburg-Essen. 

Titelbild @ Meric Tuna via Unsplash

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