„Write like nobody is watching“. Ein Schreibkurs bei Susanne Kaloff

Statt abends im Bett Sex zu haben, scrollte Simone gedankenverloren durch Instagram. Am Ende landete sie im Schreibworkshop bei Susanne Kaloff, der Auorin, die sie so sehr bewundert. Es war magisch, denn in der Souldisco kam sie kam sich selbst so nah, wie selten zuvor.

Schreiben erleichtert, Schreiben mach Freude, Schreiben ist therapeutisch, Schreiben bringt Dinge an die Oberfläche. Ich liebe es zu schreiben. Egal ob einen Brief an eine liebe Freundin, in mein Tagebuch, einen Artikel für den Blog oder eine Auftragsarbeit. Schreiben lässt mich zur Ruhe kommen, holt mich immer wieder zu mir selbst zurück und zeigt mir, wo ich genauer hinschauen sollte.

Manchmal lässt mich das Schreiben auch zweifeln. An mir und den auf‘s Papier gebrachten Worten. So lag ich an einem Mittwochabend im Bett und statt mit einem Buch zu entspannen oder Sex zu haben, scrollte ich durch Instagram. Ich las von einer Disco und da ich seit Corona und einem dreijährigen Kind nicht mehr weiß, was ausgehen ist und wie das geht, wurde ich hellhörig. Der Post kam von Susanne Kaloff, die Frau, die mich mit ihren Worten stets berührt. Immer tiefsinnig, immer niveauvoll, immer auf den Punkt. Messerscharf, ohne dabei zu verletzen. Susanne kündigte „The Soul Disco“ an, einen Club, der nur für kurze Zeit und für ausgewählte Mitglieder öffnete.

Trotz Schlabberhose drin im Club

Ein Schreibworkshop für 4 Wochen, alles auf Instagram, Live-Talks, Hausaufgaben und am Ende ein one-to-one mit der Autorin aus Hamburg. Normalerweise überlege ich länger, bevor ich Geld ausgebe. In diesem Fall war ich hellwach, checkte die Daten und schrieb so schnell ich konnte über die Nachrichtenfunktion: „Liebe Susanne, der Schreibkurs, ich hätte großes Interesse daran.“ Im Nachhinein denke ich mir: Großes Interesse? Ich war aufgeregt bis in die Haarspitzen, konnte die halbe Nacht nicht schlafen und bezahlte noch am selben Abend, denn nur sieben Teilnehmer wurden zugelassen und ich wollte unbedingt mit der Kolumnistin und den Wörtern tanzen.

Und obwohl ich an diesem Abend Augenränder hatte, die hässlichste Schlafhose der Welt und ein T-Shirt mit Flecken trug – der Türsteher ließ mich in den Club. Sechs Tage später, an einem Samstag um 17 Uhr, ging es los. Der erste Instagram-Live Talk mit Susanne Kaloff. Bewusst nicht über Zoom, weil sich die Teilnehmer nicht gegenseitig beäugen, sondern ganz bei sich bleiben sollten. Dafür mit eigenem Instagram-Account. Ich machte fleißig Notizen, hing an ihren Lippen, starrte auf meinen Handydisplay und verknallte mich ein bisschen in die Frau, die ganz unprätentiös auf ihrem Teppich saß und sagte: „Write like nobody is watching“. Back to the facts: Sie entließ uns in den Samstagabend und bis zum nächsten Mittwoch sollten wir den ersten Text abliefern. Nicht mehr als 1000 Zeichen, inklusive Leerzeichen versteht sich. Ich war darauf eingestellt ein langes Pamphlet abzugeben, das Gegenteil war der Fall: in der Kürze liegt unsere innere Würze.

Den Moment erwischen und dann raus damit

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die alles mit Vorlauf erledigen. Manchmal schon, aber wenn es mir wirklich wichtig ist, dann warte ich. Worauf? Ich weiß es nicht, ich drücke und winde mich, bis es dann ein bisschen eng wird und ich ran muss. Das ist nur eine der Sachen, die ich im Workshop über mich gelernt habe. Susanne Kaloff sagte mir später: „Ich habe das Gefühl, dass du so am besten funktionierst. Den Moment erwischen, zugreifen und in einem Swoosh raushauen.“ Bis zur Abgabe postete Susanne kleine Reminder und

Motivationsschnipsel – die waren so gut, dass ich oft dachte, ich kann ihr niemals einen Text schicken. Am Dienstagmorgen also haute ich in die Tasten und merkte wie schwer es ist, sich kurz zu fassen, auf den Punkt zu kommen. Eben nicht wie an der Bar einfach rum zu schwafeln. Am Dienstagabend schmiss ich es um und am Mittwochmorgen saß ich mit nassen Haaren und einer Tasse Dinkelkaffee vor dem Rechner und traute mich nicht auf „senden“ zu drücken. Am Ende drückt man ja doch und dann hüpfte ich in eine Telko und dachte mir: Raus ist raus.

Ein paar Tage später bekam ich Feedback und ich konnte sehr viel damit anfangen. Ich lernte präziser zu texten, auf jeden einzelnen Satz zu achten, dran zu bleiben und nicht mehrere Erzählstränge aufzumachen. Das Feedback nahm ich mit in die nächste Samstagsrunde, in der es Buchtipps, Erfahrungen aus langjähriger Arbeit in Redaktionen, die beste Kundalini- Übung der Welt und vieles mehr gab.

Die wahre Essenz, ist kürzer als wir denken

Bei der zweiten Aufgabe ging es wieder darum, dass wir für eine Essenz nicht mehr als 1000 Zeichen brauchen. Mir dämmerte, dass ich gelegentlich, um den heißen Brei herumschrieb. Tat ich das etwa auch in meinem Leben? Wir lernten im Live, dass Schreiben immer der Ausdruck eines Gefühls ist und dass wir uns selbst Fragen stellen sollen, um noch genauer zu werden. Dieses Mal sollten wir ganz frei spazieren gehen und die Geschichte aufschreiben, die für uns auf der Straße lag. Auch dieses Mal hatte ich das Thema und die Story im Kopf schnell zusammen. Mit den Fragen und Anregungen aus der letzten Stunde probierte ich rum, stellte um, merkte wie es besser wurde und fühlte mich unwohl, länger an dem Text zu arbeiten. Ich wollte ihn weg haben, ich wollte nicht tiefer in das Gefühl gehen, weil es mich selbst so sehr berührte. Ich schrieb in diesem Text über meinen kranken Vater und dieses Gefühl wollte ich nicht spüren. Immer wieder in den Text reinzugehen, die Worte umzustellen und daran zu pfeilen, war ein bisschen wie in der Verzweiflung zu baden – aber am Ende, da war ich frei.

Ich schickte auch diesen Text, drückte schnell auf den Senden-Button und erhielt das schönste Feedback, das ich mir hätte wünschen können. Das Learning rund um diese Aufgabe war umso größer: Das Gefühl nicht länger an dem Text arbeiten zu wollen, hing mit meinem „inneren Antreiber“ zusammen. Ich habe oft das Gefühl immer alles schnell machen zu müssen und kann es nicht aushalten, wenn Dinge länger dauern. Dieses Muster hatte mir auch mein Meditationslehrer Georg Lolos bescheinigt, denn es legte sich auf meine Meditationspraxis.

Ein 1:1 mit Susanne – so gut wie Sex und Yoga

Und dann war das 1:1 mit Susanne da. Ich war so aus dem Häuschen eine Stunde mit ihr sprechen zu dürfen. Was soll ich sagen? Es war eine Mischung aus geiler Yogastunde, entspanntem Sex und lösendem Therapeutenbesuch. Natürlich haben wir nicht geturnt, sondern gesprochen, aber ich war danach so gelöst, wie lange nicht mehr. Das Besondere an der Arbeit mit Susanne? Ihre Klarheit und dass man sie ohne Scham alles fragen kann. Es geht viel Wärme von ihr aus, entspannte Leichtigkeit und gleichzeitig ist klar, dass es um was geht. Sie gab mir viele Ratschläge für eigene Projekte, bestätigte mich darin weiterzumachen und brachte Verständnis auf. Für mich, für meine Situation und für die Unsicherheit, die Schreibende eben auch haben. Denn egal ob große Kolumnistin, Bestsellerautorin oder Tagebuchschreibern- wir bringen etwas zu Papier, dass verletzlich ist, wir zeigen uns von einer Seite, die oft im Verborgenen bleibt. Das kostet Mut und tut gleichzeitig so gut.

So lernte ich in der Soul-Disco bei der besten Tänzerin, Barkeeperin und Türsteherin, dass es sich lohnt ins Machen zu kommen, wenn das Gefühl stimmt. Dass es egal ist, was andere denken, dass es sich lohnt, dass zu tun, wonach sich das eigene Herz sehnt und dass Schreiben eine große Nähe zu sich selbst braucht. Susanne Kaloff hat mir gezeigt, dass es ok ist, diese Nähe auszuhalten.

PS: Auf Susanne’s Website findest du einige Möglichkeiten mit ihr zu arbeiten. Es lohnt sich sehr!

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