Frau sitzt zuhause mit Hut auf einem Sofa und freut sich

Wie geht es dir im Homeoffice?

Früher waren Firmen, die ihren Mitarbeitern mehrere Homeoffice Tage im Monat einräumen, interessante Arbeitgeber. Spätestens seit Corona kennen wir alle, nicht nur die Freiberufler unter uns, das digitale und flexible Arbeiten von zu Hause. Ist „Hoffice“ wirklich so wertvoll, wie wir immer dachten?

Ein klassischer Homeoffice Tag bei mir sieht so aus: Der Wecker klingelt um 6.00, ich dusche, ziehe mich an, koche Tee oder Kaffee und mache eine kurze Meditation. Dann wird das Kind wach, es frühstückt, ich ziehe es an, zwischendurch spielen wir noch ein bisschen, oder wir schreien rum und dann geht’s los zur Kita. Wieder zuhause gehe ich entweder zuerst auf die Yogamatte oder direkt an den Schreibtisch. Meist versuche ich zuerst einen Text zu schreiben oder etwas zu „erschaffen“, erst später schaue ich in die E-Mails. Das ist die Version, wenn es gut läuft. Wenn es schlecht läuft, sind wir spät dran, ich habe bis um 10.00 Uhr nichts gegessen und komme mit der Arbeit nicht hinterher. 

Attitude – bitte nicht verloddern!

Ich sitze so im Homeoffice, wie ich auch in einem Büro sitzen würde. Die meiste Zeit zumindest. Manchmal arbeite ich auch in Yogabekleidung, weil das eben mein zweiter Job ist und ich dann zwischen Yogamatte und Schreibtisch hin und her pendele. Was auch Realität ist? Ich arbeite oft noch abends und oft auch am Wochenende. Ich bin ein klassischer Homeoffice-Fall: bei mir gibt es keine Trennung zum Privaten. Oder sagen wir mal so, es gibt nur wenige Zeiten, in denen ich nicht arbeite. Auch weil meine Arbeit mir Freude bereitet. Dennoch, Experten wissen, das ist auf Dauer nicht gut. 

Corona hat die Flexibilisierung und Digitalisierung der Arbeitswelt mehr als nur beschleunigt. Laut der Studie „social health@work” der Universität St. Gallen und der BARMER Krankenkasse wurden vor der Pandemie durchschnittlich 15,9 Stunden pro Woche mobil gearbeitet. Während der Pandemie wuchs diese Zahl auf satte 35,7 Stunden an. 

Selbstdisziplin ist ein großes Stichwort, wenn es um’s Homeoffice geht. Sich nicht hängen lassen, sich zurecht machen, alles im Griff haben, aber auch die eigenen Grenzen kennen und durchsetzen. Aber haben wir gerade noch Bock auf Selbstdisziplin? Geht es nicht eher darum, dass wir so gut und unbeschadet wie möglich durch diese Zeit kommen?

Vorteile im Homeoffice zu arbeiten 

Die Vorteile von den eigenen vier Wänden aus zu arbeiten: Wir sparen Zeit. Denn statt im Auto, der Bahn oder auf dem Fahrrad zu sitzen, können wir direkt loslegen. Keine Angst zu spät zu kommen, keine Hetzerei. Das kann an manchen Tagen sehr praktisch sein, vor allem wenn dringende Todo‘s erledigt werden müssen. Und das Hoffice erleichtert uns die Organisation des Privatlebens, die bei vielen Jobs einfach hinten runterfällt. Schnell mal ein Arzttermin dazwischen, die Wäsche angestellt, zur Post gelaufen oder zum Altpapiercontainer. Wir bekommen mehr Flexibilität geschenkt.

Früher, also vor Corona-Zeiten, war der größte Pluspunkt sicher die Ruhe, die wir hatten, wenn wir von zuhause in die Tasten gehauen haben. Statt im Großraumbüro mit Kopfhörern zu sitzen oder vom lauten Kollegen abgelenkt zu werden, konnten wir uns einfach mal gut konzentrieren. Das senkt auf Dauer den Stresspegel und erleichtert uns das Arbeitsleben. Gut, das hat sich für viele von uns mit Kindern im Homeoffice nicht gerade verbessert. Und für Singles wird es auf die Dauer ganz schön einsam.

Nachteile beim Arbeiten von zuhause

Der größte Nachteil im Homeoffice? Es fehlen die sozialen Kontakte. Das merken wir gerade durch Corona sehr und wir alle leiden darunter. Vor Corona konnte sich jeder Freiberufler selbst darum kümmern, dass die sozialen Kontakte nicht zu kurz kommen. Sich mit anderen treffen, zum Mittagessen verabreden, das alles nimmt uns Corona. Ja, es gibt Telefonate, Videotelefonie und Telefonkonferenzen, aber das alles ersetzt keinen wirklichen Kontakt. Die ideale Mischung sind übrigens zwei bis zweieinhalb Tage im Hoffice und der Rest gemeinsam mit dem Team. 

Nicht zu unterschätzen, ist der Faktor Ablenkung. Gestern klingelte es während einem Telefonat einfach dreimal an der Tür. Ich war drauf und dran nicht aufzumachen, weil es so eine unangenehme Störung war, mich und den Gesprächspartner immer wieder zurück zu Punkt 0 katapultierte. Aber der Gedanke hundert Stunden auf der Post anzustehen, ließ mich öffnen. Und natürlich werden in diesen Zeiten unsere Kinder zu kleinen Ablenkmaschinen, es ist als ob sie es riechen, wenn wir arbeiten möchten oder Zeit brauchen. Und eigentlich will ich sie gar nicht als „Abkenkmaschinen“ betiteln, denn wie Kristina Koehnlein in „Familie und Arbeit – wie schaffen wir das?“ erklärt, brauchen sie vor allem, dass wir ihnen zuhören. Ein großer Zeitfresser ist übrigens, dass wir uns alle selbst versorgen müssen. Denn Kantine und Snack um die Ecke fallen leider weg, die meisten von uns stehen zwischendurch immer noch am Herd. 

Und viele Menschen, mit denen ich gesprochen habe, fehlt einfach die Motivation. Es gibt eben keinen Kollegen, der motiviert, kein inspirierendes Team-Meeting. Ich kann dazu nur sagen, wenn wir tun, was wir lieben, sind wir motiviert. Und da wir alle oft mehr arbeiten als wir sollten, ist es auch ok einfach mal nicht motiviert zu sein. Wenn das natürlich zum Dauergefühl wird, dann sollten wir uns mit kleinen Tricks da selbst wieder rausholen. Raus aus der Schlabberhose, rein in einen normalen Arbeitslook sorgt auf jeden Fall dafür, dass wir eine andere Haltung einnehmen. 

Wie schaffen wir die Trennung zum Privaten?

Gibt es im Homeoffice überhaupt so etwas wie eine Trennung? Und wenn ja, wie halten wir sie ein? Wie erschaffen wir diese Trennung, wenn wir am Esstisch arbeiten, die Unterlagen auf dem Sofa liegen und wir vom Flur aus die Telko machen, weil hier der Router steht? Oder den Podcast im Schlafzimmer aufnehmen, weil der Mann eine wichtige Telko hat?

Auch wenn es schwierig ist die zeitliche, örtliche und auch kommunikative Abgrenzung ist der Schlüssel für mehr Zufriedenheit im Homeoffice. Ein festes Arbeitszimmer hilft und wenn das nicht möglich ist, dann hilft es, immer denselben Platz einzunehmen. 

Wichtige Regeln für deine Zeit im HO:

  • Setze dir feste Zeiten. Lege fest, wann du arbeitest und wann du zu Mittag isst. Und weiche nur in Notfällen von diesen Zeiten ab.
  • Mache allen Beteiligten (beruflich und privat) klar, dass du arbeitest und lege im besten Fall auch dafür eine Zeitspanne fest.
  • Hab einen Ablauf, an dem du dich orientieren kannst. Stehe zur selben Zeit auf, zieh dich immer vollständig an und iss zur selben Zeit. Erschaffe eine Struktur und erschaffe dir dadurch auch Freiräume.
  • Setze dir eine feste Zeit, wann Schluss ist. Für alle, die kein Arbeitszimmer haben: Es hilft den Rechner weg zu packen und damit auch den Arbeitstag abzuschließen. 

Und wir haben noch bei Kollegin und Redakteurin Marion Müller nachgehakt. Ihre ultimativen Tipp für’s Hoffice: coole ausblicke. Wähle einen Platz zum Arbeiten, wo du auf etwas schaut, was schön ist. Falls das aus Platzmangel eine öde Schlafzimmerwand ist, unbedingt aufpimpen. Mit einem tollen Bild oder einer abgefahrenen Birkenwaldtapete. Und der andere Ausblick:  Pausenzeiten, in denen du etwas Schönes machst. Einmal um den Block gehen oder sich mit einem Hoffice-Kollegen zum Lunchbreak auf ein Sandwich treffen.

Buchtipps:

Arbeiten im Homeoffice in Zeiten von Corona von Axel Bertram
Erfolgreich und gesund im Homeoffice arbeiten von Miriam Landes und Eberhard Steiner

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